Spachtelattacke

Während der Estrich so langsam vor sich hin trocknet, haben wir von unserem Bauleiter das OK bekommen, mit den Spachtelarbeiten anzufangen. Diese haben wir nicht an eine Firma vergeben, sondern kümmern uns selbst darum . Zum Glück ist es nicht der erste Trockenbau, daher wissen wir, was auf uns zu kommt.

Im Vorfeld haben wir uns für die Schleifarbeiten das Bosch HomeSeries PWR 180 CE Wandbearbeitungssystem zugelegt.  In unserem Fall sogar die 200 € teurere Variante mit Staubbox. Quasi ein Geschenk des Bauherren an den Bauherren.

Bosch PWR 180 CEZuerst ging es also an die Vorbereitung. Zunächst mussten erst einmal alle Wände von überschüssigem Kleber befreit werden. Wo Fermacellplatten ab Werk aufeinander stoßen oder wo die Zimmerleute Wände gebaut haben, werden die Platten in aller Regel verklebt. Überall wo der Kleber heraus quillt, gilt es zunächst einmal die Wände zu entgraten. Am einfachsten geht dies mit einer Abstoßspachtel. Um nichts in der Welt sollte man versucht dies mit einer normalen Spachtel zu machen. Hier geht vermutlich eher die Spachtel zu Bruch, bevor sich auch nur ein Millimeter des Klebers entfernen lässt.

Unsere AbstoßspachtelDie Teile sind wesentlich robuster als herkömmliche Spachteln. angeschliffen und speziell dafür gedacht Klebereste oder auch Bodenbeläge zu entfernen. Im Übrigen eignet sich die Spachtel aus später um die endloses Kleckse Spachtelmasse und Gips vom Fußboden zu entfernen.

Fermacell KleberrestePro Raum kommt dann schon einiges zusammen. Für ein Stockwerk sollte man hier (möchte man sorgfältig arbeiten) einen guten halben Tag rechnen. Empfehlenswert ist hier auch ein Tischlerhammer mit rundem Kopf , mit dem sich noch heraus stehende Klammern im Fermacell versenken lassen. Der Runde Kopf des Hammers macht lediglich Dellen und zerbröselt nicht das Fermacell. Die runden Dellen lassen sich später außerdem sehr gut verspachteln.

Im ersten zweiten Durchgang haben wir dann Fugen, Löcher von den Klammern und Anschlußfugen verspachtelt. Dafür sollte man tunlichst das gute Fermacell Fugenspachtel nehmen, und nicht Knauf oder ähnliches Material. Alternativ haben wir bei den Zimmerleuten Würth Fugenspachtel gesehen, das bei untererem Baustoffhändler jedoch nicht lieferbar ist.

Fermacell FugenspachtelWir haben von Bauherren gehört, die die Fermacellplatten aus Kostengründen mit Knaufmaterial verspachtelt hatten, und sich am Ende gewundert haben, dass das ganze Material nach dem Trocknen wieder aus den Fugen gefallen ist.

Für alle Fugen an der Decke und an den Wandecken verwenden die meisten Bauherren Acryl. Wir haben für uns leider die Erfahrung gemacht, dass Acrylfugen nach einigen Jahren ihre strukturelle Integrität verlieren und in sich fallen. Außerdem fallen hier wohl 50 bis 100 Tuben Acryl und Kilometer von Küchentüchern an.

Alternativ, kann bei Fermacell im Holzbau auch das sog. Anspachteln auf Trennstreifen angewandt werden.

Fermacell - Anspachteln auf TrennstreifenQuelle: FERMACELL im Holzbau – Planung und Verarbeitung

Das kann für Innenecken (Wand-Wand) oder Anschlussteile der Form Wand–Decke und Dachschräge–Wand eingesetzt werden. So findet sich im FERMACELL im Holzbau – Planung und Verarbeitung auch der Hinweis für den späteren Einsatz:

Dieser Anschluss eignet sich für
folgende Oberflächengestaltungen:
Tapeten, Fliesen, Strukturdünnputze,
Anstriche
Die Umsetzung ist zumindest in der Theorie denkbar einfach.
  1. Trennstreifen aufbringen (PE-Folie, Klebeband oder Ölpapier)
  2. Fugenbreite je nach Plattendicke
  3. (siehe Abschnitt 7.2)
  4. Mit FERMACELL Fugenspachtel anspachteln
  5. Überstehenden Trennstreifen mit einem
  6. scharfen Messer abschneiden

Als Trennstreifen haben wir die PE Folie verwendet, die von den Zimmerleuten noch rollenweise übrig war. Fixiert wurde das ganze dann mit Feinkreppband, so dass das Ganze später wieder ohne Probleme weggezogen werden kann.Anspachteln auf TrennstreifenDie Trennstreifen haben überdies noch den Vorteil, dass man die Restliche Wand nicht bekleckert. Die Trennstreifen muss man jedoch bis zum Anstoß einschieben, und bei insgesamt mehr als 100 Metern Ecken, ist das ein ordentliches Rumgefummel.

Nachdem dann alles ordentlich verspachtel und getrocknet war, durfte die Abstoßspachtel in einem dritten Arbeitsgang wieder ran. Alle Spachtelstellen mit der Abstoßspachtel bearbeitet bedeutet, wesentlich weniger Aufwand mit dem Feinspachtel im nächsten Arbeitsgang.

Feinspachteln mit der JapanspachtelJetzt haben wir in Arbeitsgang Nummer Vier alle Stellen mit der Japanspachtel und Fermacell Flächenspachtel nach bearbeitet. An den Stößen von Platten darf es dann auch etwas mehr Spachtelmasse sein. Wir haben wir eine 25cm  und eine 40cm Breitspachtel verwendet um möglichst gerade Übergänge zwischen den Platten zu schaffen.

Auch hier gilt es wieder alles vor dem nächsten und letzten Arbeitsschritt alles durchtrocknen lassen.

Jetzt endlich durfte auch unser Bosch Schleifer sein ran. Bosch PWR 180 CE Wir haben für den ersten Versuch ein 120er Schleifblatt verwendet, da es derzeit kein Nachschub an feinerem Schleifpapier gibt. Die drei Kilogramm des Gerätes merkt man auf jeden Fall. Schlauch und Stromkabel sind mit zweieinhalb Metern relativ knapp, vor allem wenn man auf der Leiter arbeitet.

Für Ecken lässt sich der obere Teil der Schutzgehäuses entfernen. Somit lässt sich auch bis in jede Ecke schleifen.  Dank der Bürsten, kann man das Gerät erst einmal aufsetzen, bevor man es an die Wand oder Decke drückt. Somit setzt die Schleifscheibe immer Plan auf. Versehentlich Rillen  mit der Kante in die Wand zu schleifen war uns somit nicht möglich.hus23_ecken_schleifenDas Schleifgerät ist so schwer, da im inneren eine kleine Turbine sitzt, die den Staub in den Auffangbehälter oder den angeschlossenen Staubsauger befördert. Da wir keinen Feinstaubsauger der Klasse M hatte, haben wir den recht teuren Auffangbehälter mitgekauft. Mit 200 Euro ist dieser für ein Stück Plastik mit Filter recht teuer.

Bosch PWR 180 CE AuffangbehälterAuf jeden Fall ist erfreulicherweise der meiste Staub in dem Behälter gelandet. Nichts im Vergleich von deren Schleifarbeiten, die wir bereits im Trockenbau hatten. Hat sich der Filter einmal vollgesetzt, kann man mit zwei, drei Umdrehungen an einem außen liegenden Rad diesen wieder entstauben ohne den Behälter öffnen zu müssen.

SchleifresteTrotz Staubbehälter haben wir mit  Atemmasken mit Feinstaubfilter gearbeitet.

Atemmaske mit FeinstaubfilterSieht zwar martialisch aus, die Halbmasken sind im Vergleich zu den Einwegmasken aus dem Baumarkt absolut dicht. Die Lungen danken es wohlwollend. Die Masken lassen sich außerdem wiederverwenden und die Filter gibt es im 10er Pack.  Wir haben die Masken gleich als Set bestellt, und haben somit auch noch Filter für Flüssigkeiten bzw. Dämpfe – von den jedoch bei unserem Bau zum Glück keine entstehen. Außerdem empfiehlt es sich bei der Maschine mit Ohropax zu arbeiten. Gerade bei längeren Schleiforgien ist dies wesentlich angenehmer.

Geschafft haben wir in der ersten Runde zunächst die erste Spachtelrunde im Erdgeschoss. Allerdings haben wir den Teil des Hausflures bereits der kompletten Kur unterzogen, da diese Woche bereits die Treppe kommen soll.

hus23_der_geschliffene_treppenbereichIm Bereich der Treppe wollte dann aber nicht mehr mit dem schweren Gerät hantieren. Die Fuge auf dem Bild bleibt übrigens offen – da haben wir vorsichtshalber bei unserem Bauleiter nochmal nachgefragt: Die Fuge darf nicht verspachtelt werden und wird vom Treppenbauer wohl später verblendet.

Nach dem fünf Stufen Programm sind die Wände nun glatt wie ein Kinderpopo…

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